Ein Implantat ersetzt die körpereigene Zahnwurzel und wird mittlerweile als bestmöglicher Zahnersatz gehandelt. Jährlich werden bereits mehr als 500.000 Zahnimplantate gesetzt – Tendenz weiter steigen. Die Implantologie konnte in den letzten 30 Jahren beeindruckende Fortschritte verzeichnen. Angetrieben durch neue Materialien, computergestützte Verfahren und innovative Technologien. Moderne Zahnimplantate sind aus Titan, zwischen 8-16mm lang, mit einem Durchmesser von maximal 6mm. Titan besitzt eine hohe Biokompatibilität und konnte diese Eigenschaft nun schon seit Jahren erfolgreich unter Beweis stellen. Das Material verwächst mit dem Knochen – es entsteht eine extrem feste Verbindung, auch Osseointegration genannt. Seit der Einführung von Titan ist die 5-Jahres-Überlebensrate von Zahnimplantaten beeindruckend hoch. Auf dem Markt gibt es ein- sowie zweiteilige Implantatmodelle. Während der Einheilphase steht das einteilige Implantat in den Mundraum hinein und kann ein unangenehmes Gefühl bereiten. Bei den zweiteiligen Implantaten wird erst nach der Einheilphase ein Implantathals (Interface) eingesetzt, welches wiederum die künstliche Zahnkrone oder Prothese aufnimmt. Überwiegen konnten sich die zusammengesetzten Systeme aufgrund der individuellen Kombinationsmöglichkeiten und den Vorteilen beim Heilungsprozess durchsetzten.

Anwendungsbeispiele für Zahnimplantate

Ob Einzelzahn, große Zahnlücke oder zahnloser Kiefer: Theoretisch kann ein Implantat jeden verlorenen Zahn ersetzten. Die sinnvollste Art der Versorgung hängt von der Ausgang- und Gebisssituation ab. Bei der Implantatplanung werden alle relevanten Faktoren genau unter die Lupe genommen und bilden die Basis für den Behandlungsverlauf sowie den gesamten Erfolg des Eingriffes.

Single crown implant

Bild: Corporation Dental Specialty Group / CC BY-SA 3.0

Kleine Zahnlücke: 51.6% der gesetzten Implantate füllen Einzelzahnlücken – so eine Studie der Universität Bern. Im Idealfall legt sich das Zahnfleisch nach dem Eingriff natürlich an die Krone an und der Zahnverlust ist optisch nicht mehr auszumachen. Das Implantat stellt jedoch Anforderungen an den Abstand zu benachbarten Zahnwurzeln: 1.5-2 mm sollte sie mindestens entfernt liegen, um eine Gefährdung zu vermeiden. Ist die Zahnlücke großer, werden eventuell zwei Implantate benötigt.

Große Zahnlücke: Wenn mehr als 4 aneinanderliegende Zähne in einem Sextanten fehlen, spricht man von einer großen Schaltlücke. Es kann natürlich jeder Zahn einzeln durch ein Implantat mit Krone ersetzt werden. Eine günstigere Variante ist es, mindestens 2 Implantate und eine Brücke zu setzten.

Freiendsituation: Im hinteren Mundbereich (distal) stehen keine natürlichen Brückenpfeiler mehr. Durch das Implantat schafft der Arzt das zusätzlich benötigte Fixierelement für eine Brückenkonstruktion. Es werden 1-3 Implantate benötigt.

Reduzierter Restzahnbestand: Im Mundbereich sind noch bis zu 6 eigene Zähne vorhanden. Die Implantate werden als zusätzliche Pfeiler gesetzte, um einen sicheren sowie festen Sitz von Prothese oder Brücke zu ermöglichen. Die Anzahl der Implantate variiert nach Ausgangssituation.

Zahnloser Kiefer: Bei einer kompletten Zahnlosigkeit ist es nicht notwendig, für jeden einzelnen Zahn ein Implantat zu setzten. Im Unterkiefer können Stabilität und Funktionalität einer Prothese mit 4 Implantaten erfolgreich umsetzten werden. Im Oberkiefer werden meistens mehr Implantate gesetzt, da die Kieferknochenstruktur weicher ist als im Unterkiefer. Oftmals werden die Implantate durch Stegverbindungen verbunden. Sie unterstützen Stabilität und Prothesenverankerung zusätzlich.

Dentures

Bild: Rama / CC BY-SA 2.0 fr

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implantation

Der Erfolg von zylindrischen Zahnimplantaten liegt im 5-Jahresintervall bei 85-90%. Der Wert hängt ab von der Ausgangssituation und ob nach dem einsetzten des Implantates eine Infektion auftritt. Mithilfe von konsequenter Zahnpflege und langfristiger Nachsorge ist es möglich, eine Erfolgsquote im 10-Jahresintervall von 100% zu erreichen. Viele Implantate von Patienten liegen inzwischen länger als 40 Jahre. Die Implantologie gehört mit diesen Werten zu den erfolgreichsten medizinischen Eingriffen. Doch nicht immer ist das Wundermittel anwendbar oder von jahrelangem Erfolg gekrönt. Voraussetzungen sind zum Beispiel ausreichend Platz für das Implantat und Aufbau sowie ein ausgewachsener Kieferknochen. Zusätzlich gibt es die Kontraindikationen – medizinische Gründe, die gegen eine Implantation sprechen. Absolute Kontraindikationen machen einen Eingriff unmöglich. Relative Kontraindikationen wie zum Beispiel Diabetes, Rheuma, Knochenerkrankungen oder Zähneknirschen verkomplizieren den Eingriff oder verschlechtern die Erfolgsaussichten sowie den Heilungsprozess.

Behandlungsablauf

Die erfolgreiche Implantation setzt eine genaue Analyse der Ausgangssituation, umsichtige Planung, präzise Umsetzung sowie eine Prise Geduld voraus. In einem ersten Gespräch mit dem Patienten werden Allgemeinerkrankungen und eingenommene Medikamente besprochen. Zusätzlich wird ein Abdruck des Gebisses für die Modellanalyse abgenommen. Der Zahnarzt fertigt Röntgenaufnahmen vom Zahninneren und dem Kieferknochen an. In einem erweiterten Therapiespektrum kommen ergänzende Röntgentechniken (Computertomographie oder digitale Volumentomographie) zum Einsatz. Diese (kostenpflichtigen!) Aufnahmen ermöglichen eine exakte Vermessung des gesamten Kiefers, visualisieren die Knochenqualität (Dichte) und ermöglichen eine original getreue Implantatplanung. Um das Risiko von Komplikationen zu vermeiden, werden auf Basis der erhobenen Daten Gegenmaßnahmen evaluiert und eingeleitet. Typische Vorbehandlungen sind die Parodontitistherapie, Kiefergelenkbehandlung, Zahnsanierung oder  – falls nicht ausreichend Platz am Kieferknochen zur Verfügung steht – ein Knochenaufbau. Erst wenn alle Gegenanzeigen beachtet, Behandlungsalternativen berücksichtigt und Vorbehandlungen abgeschlossen sind, kann das Implantat eingepflanzt werden.

Bei einer aufwendigen Implantation kann eine stationäre Aufnahme des Patienten erfolgen. In der Regel wird der Eingriff jedoch ambulant, unter Lokalanästhesie durchgeführt und dauert zwischen 20 – 60 Minuten. Der Arzt öffnet zunächst die Schleimhaut und legt den Kieferknochen frei. Dann bohrt er mehrere Male mit geringer Drehzahl sowie Druck und ausreichender Kühlung in Knochen. Dabei steigert er die Länge als auch den Durchmesser des verwendeten Bohrkopfes bei jedem Durchlauf. Das Titanimplantat wird anschließend mithilfe eines Drehmomentschlüssels in den Kieferknochen eingesetzt und das Zahnfleisch wieder vernäht. Die Primärstabilität des Implantats ist entscheiden für den weiteren Heilungsprozess.

Die Operationsstelle sollte nach dem Eingriff nicht direkt belastet werden. Zum Beispiel sollte man beim Zähneputzen die Wunde nie direkt mit einer harten Zahnbürste berühren. Die Mundpflege ist in dieser Zeit dennoch besonders wichtig um eine Entzündung zu vermeiden. Medikamente und kühlende Umschläge unterstützen den Heilungsprozess zusätzlich. Die äußere Wundheilung ist nach circa 10 Tagen abgeschlossen. Die Einheilphase im Kieferknochen kann bis zu 6 Monaten dauern. Wird ein einteiliges Implantatsystem oder gleich die definitive Krone bzw. ein Provisorium eingesetzt, so spricht man von einer Sofortbelastung. Ein Sofortimplantat hingegen bezeichnet den direkten Ersatz der Zahnwurzel nach einem Zahnverlust. Bei einem mehrteiligen Implantat wird erst nach der Einheilphase das Interface mit Krone angefertigt und eingesetzt. Der Zahnersatz sollte anschließend jährlich 3-4 Mal vom Arzt überprüft werden. Erkennt man eine aufkeimende Entzündung frühzeitig, kann ein erfahrener Implantologe Gegenmaßnahmen einleiten und einem unnötigen Implantatverlust entgegenlenken. Viele zahnästhetische Urlaubsreisen locken mit günstigen Preisen, überzeugen aber nicht mit der notwendigen Nähe im Krankheitsfall. Ein lokaler Implantologe in Freiburg betreut den Zahnersatz zuverlässig über viele Jahre hinweg und garantiert die bestmögliche Nachsorge.

Vor- und Nachteile von Zahnimplantaten

Neben der oben bereits beschriebenen hohen Erfolgsquote von Implantaten gibt es noch andere Vorzüge. Zu den direkten Vorteilen gehören: die verbesserte Kaukraft, Phonetik und Ästhetik. Durch die Osseointegration kann der weitere Kieferknochenabbau gestoppt werden. Implantate helfen ebenfalls bei einem großen Nachteil von herkömmlichen Teilprothesen: Viele Träger berichten über einen unangenehmen Druck auf die Schleimhaut und begleitenden Schmerzen. Implantate leiten die Kaufkräfte natürlich und gleichmäßig verteilt auf den Kieferknochen über. Das vermindert den Druck, verbessert den Halt und steigert den Tragekomfort deutlich. Setzt man ein Implantat als Brückenpfeiler ein, muss der Restzahnbestand nicht unnötig beschliffen und somit gefährdet werden.

Als Nachteil kann die notwendige, anspruchsvolle Mundhygiene gewertet werden. Während des Eingriffes können in seltenen Fällen Nerven oder umliegende Zahnwurzeln verletzt werden. Wächst das Implantat starr in den Knochen ein, wird der Kaudruck nicht natürlich abgeleitet. Dies kann wiederum zu Schmerzen und einer Überlastung des Kiefergelenkes führen. Hinzu kommt das Risiko einer Implantatlockerung oder ein Implantatverlust. Weitere unangenehme Punkte sind die lange Behandlungsdauer und die hohen Kosten. Die Leistungen werden von der Krankenkasse nicht direkt erstattet und müssen vom Patienten übernommen werden.

Kosten

Die Kosten für ein Zahnimplantat variieren stark und hängen von notwendigen Vorbehandlungen, Schwierigkeitsgrad des Eingriffes, verwendetem Implantat-Modell sowie zusätzlich benötigte Technik und Material ab. Der Konsument hat wie so oft die Auswahl zwischen Luxusausführungen und kostengünstigen Maßnahmen. Die reine Diagnostik und Planung beim Implantologen kostet pro Kiefer bis zu 250 Euro, die Implantation bis zu 450 Euro. Die Vergütung des Zahntechnikers (Diagnose, Modell, 3D Bohrschablone und Krone) beginnt bei 400 Euro und steigen mit dem Umfang des Arbeitsaufwandes. Addiert man die Materialkosten und weiteren Technikbedarf während und vor dem Eingriff hinzu, dann kostet ein Einzelzahnimplantat zwischen 1.850 – 3.400 Euro, ein herausnehmbarer Zahnersatz zwischen 4.000 – 13.000 Euro, eine Implantatbrücke circa 5.000 Euro und die festsitzende Versorgung bei Zahnlosigkeit beginnt pro Kiefer bei 13.500 Euro. Die genauen Kosten für die Eingriffe können der Gebührenordnung für Zahnärzte entnommen werden.

Höhe des Eigenanteils

Bei diesen Zahlen denken viele Patienten automatisch an ihre Versicherung. Ein Zahnimplantat ist eine Privatleistung und nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zu finden. Seit 2005 zahlen die gesetzlichen Krankenkassen jedoch Festzuschüsse für den Zahnersatz. Die Krankenkassen orientieren sich dafür am Befund und nicht an der Variante des Zahnersatzes. In welche Methode der Patient den Zuschuss investiert, bleibt ihm überlassen. Die Zuschüsse orientieren sich an den durchschnittlichen Kosten für einfache Behandlungen. Der behandelnde Arzt oder die Krankenkasse gibt genaue Auskunft darüber, wie hoch der Eigenanteil nach Abzug der Festzuschüsse ist. Bei einer privaten Krankenversicherung werden ebenfalls Leistungen erstattet – es existieren jedoch viele unterschiedliche Tarife. Schon vor der Therapie sollte daher der individuelle Behandlungs- und Kostenplan an die Krankenkasse weitergereicht werden, um die Kostenübernahme zu klären. So werden böse Überraschungen im Vorfeld vermieden und der Patient kann guten Gewissens den Behandlungsvertrag mit dem Arzt entgegenblicken. Auch online können Sie sich über Zahnzusatzversicherungen informieren, beispielsweise hier finden Sie Informationen zur Zahnzusatzversicherung.

Gewährleistung & Garantie

Durch die gesetzliche Gewährleistung haftet der behandelnde Zahnarzt 2 Jahre lang für Mängel am Implantat. Voraussetzung ist es, dass der Patient den Schaden nicht selbst verursacht hat. Viele Implantat-Hersteller und Praxen bieten zusätzlich eine freiwillige Garantie von mehreren Jahren auf den Zahnersatz an. Vor allem erfahrene Implantologen locken gerne mit einer Garantie und knüpfen sie gleichzeitig an einen Risikostatus und regelmäßige Nachsorgetermine.

Zusatzqualifikation Implantologe

Bei den hohen Kosten lohnt es sich, ein wenig mehr Zeit in die Suche nach einem guten Implantologen zu investieren. Durch die Approbation erwirbt zunächst jeder Zahnarzt die Befugnis, Zahnimplantate zu setzten. Das bedeutet noch lange nicht, dass er aktuelles Fachwissen um neue Technologien, Verfahren und Methoden besitzt. Kurz: nicht jeder Zahnarzt ist ein Spezialist und gibt das gerne offen zu. Doch wie erkennt man dann einen guten Implantologen? Seit einigen Jahren bietet die Steinbeis-Hochschule in Berlin in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Implantologie den Master of Science in Oral Implantology an. Absolventen dieses Studiengangs sind Spezialisten ihres Faches und kompetente Ansprechpartner. Zusätzlich organisiert die implantologische Fachgesellschaft regionale Fortbildungen und verleiht Fach-Zertifikate. Diese Dokumente sind keine Qualitätsgarantie, jedoch als ein definitiver Interessensnachweis des Zahnarztes zu verstehen – denn die Weiterbildungen sind langjährig, zeitintensiv und werden parallel zum Praxisalltag besucht. In der größten europäischen Gesellschaft für Implantologie sind über 6.500 Mitglieder gelistet. Auch in Freiburg sind einige Zahnimplantat Spezialisten der DGI registriert.

Weitere Tipps zur Zahnarztsuche, Zukunftsaussichten und wertvolle Informationen liefert der abschließende Videobeitrag.